Geschichte

Gaststätte Adler mit Kanonenkugel in der Fassade

Von Kanonen, Kugeln und Franzosen: Interessante Dinge sind oft nur auf den zweiten Blick zu finden, so auch in Krumbach. Zum Beispiel das Kuriosum an der Gaststätte Adler in der Augsburger Straße: In der Mauer dieses grundlegend renovierten Gebäudes steckt eine Kugel. Es ist eine echte Kanonenkugel aus der napoleonischen Zeit, die dort während der französischen Belagerung vor mehr als 200 Jahren einschlug. Direkt neben der Kugel steht auf einer vor vielen Jahren angebrachten Tafel zu lesen: „Die Kugel hier dich wundert? Im Jahre Achtzehnhundert schoß der Franzos, der vor dem Markte lag in diese Wand sie am Fronleichnamstag.“ Die Plünderung Krumbachs durch die Franzosen am 12. Juni 1800 ist ein Detail in der abwechslungsreichen Historie der Stadt.

 

Im Laufe ihres Bestehens sah sich Krumbach einigen Ortsbezeichnungen und häufig wechselnden Pfand- und Lehensherren gegenüber. Funde aus der Hallstattzeit (800 v. Chr.) sind dabei die ältesten Zeugnisse der Gebietsbesiedlung, die Alemannen folgten im 7. und 8. Jahrhundert. Aus dem Jahre 1156 stammt die erste urkundliche Erwähnung Krumbachs, die der Augsburger Bischof Konrad von Hirscheck im August dieses Jahres während eines Hoftages Kaiser Friedrich I. Barbarossa in Ulm ausstellte.

 

Die lange Zeit von 1300 bis 1805 gehörte Krumbach dann zu der vorderösterreichischen Marktgrafschaft Burgau. Das Jahr 1800 war das schwerste für Krumbach-Hürben seit dem 30-jährigen Krieg und beschrieb mit dem Einmarsch der Franzosen und Plünderung der Bürgerhäuser den traurigen Höhepunkt in der Geschichte der Stadt. Der damalige Bürgermeister schrieb in seinem Bericht: „Ihr seid glücklich, wenn ihr niemals erlebt, was wir erlebt, gesehen und erfahren haben.“

 

Im Jahre 1805 wurde Krumbach-Hürben durch den Pressburger Frieden bayerisch. 1895 folgte die Erhebung zur Stadt. Die Stadterhebungskunde, gezeichnet vom Bayerischen Prinzregenten Luitpold am 10. Juni 1895, besagt: „Im Namen seiner Majestät des Königs, Luitpold, von Gottes Gnaden Königlicher Prinz von Bayern, Regent. Wir finden Uns Allerhöchst bewogen, auf das aller unterthänigste Gesuch der Marktgemeinde Krumbach, Bezirksamt gleichen Namens, aller Gnädigst zu genehmigen, daß der Markt fortan die Bezeichnung „Stadt“ führe.“

 

Erst 1902 wurde das östlich der Kammel gelegene Hürben eingemeindet, was für die Stadt eine erhebliche Vergrößerung bedeutete. Im Jahr der Stadterhebung 1895 zählte Krumbach 1.871 Einwohner, nach der Eingemeindung Hürbens 3.172. Dieser „Effekt“ wiederholte sich später in den Jahren nach 1945, als Heimatvertriebene nach Krumbach kamen und der Stadt neue Impulse verliehen.

 

Während der Kreis- und Gebietsreform 1972 bis 1978 verlor Krumbach zwar seinen Kreissitz sowie das Amtsgericht und Finanzamt, durch Neuzuzüge anderer Ämter blieb sie aber weiterhin auch eine „Verwaltungsstadt“. Hier finden sich unter anderem das staatliche Forstamt, das Amt für Landwirtschaft, das Wasserwirtschaftsamt, die Direktion für ländliche Entwicklung und das staatliche Hochbauamt.

 

Heute setzt sich die Stadt, neben der Kernstadt Krumbach, aus weiteren fünf Stadtteilen zusammen, die sich in der Zeit der Kreisreform freiwillig in Krumbach eingliederten: Hohenraunau (Eingemeindung: 1972), Billenhausen (1972), Edenhausen (1973), Attenhausen (1977) und Niederraunau (1978).

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